Staub ist unschön, um so weniger bei einer “gemischten” Werkstattform wo ölgeschmierte Metallbearbeitungsmaschinen in der gleichen Bude stehen wie Holzbearbeitungsmaschinen. Eine Reinluftentstaubung besitzen wir deshalb bereits länger, die jedoch bisher immer manuell per Schlauch angeschlossen werden musste.
Zeit für eine zentrale Absaugung mit festem Anschluss für jede “staubproduzierende” Maschine.
Mit dieser unscheinbaren Kiste fängt alles an. Enthalten sind ca. 90Kg Rohre, Fittinge und Formteile in den Größen 160mm und 120mm… auf dem rechten Foto ist noch nicht mal alles zu sehen was hier angeliefert wurde.


Aufbau
Los geht’s an der Absaugung. Die örtlichen Begebenheiten mit der Türe links und dem Wandvorsprung mit Unterverteilung rechts waren leider etwas suboptimal.
Grundsätzlich sollte man Schlauchstücke vermeiden, hier war es aber die deutlich einfachere und platzsparendere Wahl. Sollten wir Leistungsprobleme feststellen können wir immer noch auf Rohrleitungen umbauen.

Nach einem kleinen Stück Geradeaus folgt auch schon der erste Abzweig mit zwei Maschinenabgängen. Hier ist noch alles in d160 ausgelegt.
Der Abgang auf dem Foto wird noch mal umgebaut, da der obere Abgang nur 80mm benötigt und die herunteradaptierung von 160mm ziemlich lang auskragt.

Spannend wurde es beim Sprung auf die gegenüberliegende Wandseite. Durch die Schräge war eine direkte Montage auf der Decke nicht ohne Verrenkungen möglich.
Die Montage mit Spannschellen klappt an sich gut und durch die PVC Dichtung lassen sich auch Korrekturen leicht vornehmen. Manchmal sitzen die Verbinder jedoch relatic Spack und so habe ich mich aus Sicherheitsgründen dazu entschieden den nächsten Teil am Boden vorzumontieren.

Mit der Ameise ging es dann unter die Decke. Vorher hatte ich vier vertikale Stahlseile gezogen, welche als Aufhängung dienen. 8mm Pneumatikschlauch sorgt für etwas flexibilität und verhindert das durchreiben bei Bewegung im System.

Auf dieser Wandseite gibt es insgesamt drei Maschinen-Anschlüsse. Einmal für die CNC Fräse, die Bandsäge sowie die Kappsäge-Station. Letztere ist auf 120mm verrohrt.
Da ich aktuell nur 100mm Schieber habe dieser aktuell noch am Ende, wird aber später noch nach oben gebaut. Die Kappsäge wird dann mit 100mm + 80mm abgesaugt, was in Summe ca. 130 cm² sind und eigentlich etwas über den 112 cm² des 120er Rohrs.

So sieht der Zwischenstand nach einem vollen Tag arbeit aktuell aus.

Trotz ausgiebiger Planung und “Über-Bestellung” einiger Teile muss ich noch einmal ein paar Sachen nachbestellen. Das geht dann aber wieder per Paketpost, was deutlich kostengünstiger als der Speditionsversand ist.
Bördeln
Wenn die Standardrohrlängen von 500, 1000 und 2000mm nicht passen hat man zwei Optionen. Ein spezielles Einschubrohr mit Spannschelle oder das Rohr abzulängen und einen neuen Bördelrand herzustellen.
Das geht erstaunlich einfach mit einem Hammer und einer Kombizange. Folgenden Hinweis hat mir ein Forumskollege aus der Zerspanungsbude gegeben… Danke Marco!
- Mit der Kombizange wird der Rand an einer Stelle um 10mm umgebogen
- Mit dem Hammer den Bord weiter führen, dabei erstmal nicht ganz auf 90 Grad gehen, lieber zwei Runden machen
Hier ein früher Versuch mit vollständig umbiegen und danach mit dem Hammer begradigen. Hat funktioniert, hält aber nicht gerade als Gesellenstück des Spenglerhandwerks her…


Grundlagen und Auslegung
Auf dem Weg zur Absaugung stand einiges an Recherche sowie freundliche Hinweise von Foren-Kollegen. Ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit hier ein paar grundsätzliche Überlegungen und Prinzipien beim Bau einer Absaugung.
- Was soll abgesaugt werden? Schleifstaub oder viel MDF benötigt einen anderen Volumenstrom
- Wie viele Maschinen sollen parallel abgesaugt werden?
–> Daraus ergibt sich der Durchmesser des Hauptstrangs sowie die Lüfterleistung
Durchmesser auswählen
- Durchmesser der Hauptleitung wird nach Anzahl der maximal gleichzeitig offenen Strängen ausgelegt, die Abgänge pro Maschine. In der Regel nutzt man den Durchmesser des Maschinenanschlusses (oft 120mm)
- Um später für Erweiterungen vorbereitet zu sein kann auch erst unmittelbar vor der Maschine reduziert werden
Absaugleistung auslegen
Hilfreiche Hinweise geben u.a. die Bedienungsanleitungen der Maschinenhersteller. Hier ein Beispiel von unserer Felder K700S:
Durch die Option Kreissägeoberschutz sind insgesamt 1.176 m³/h Volumenstrom bei 20 m/s gefordert.
Unsere RAL160 ist mit 2.400 m³/h angegeben, der Nennvolumenstrom liegt jedoch bei 1.448. Mit 2,2 kW reicht das also für die Kreissäge, eine weitere Maschine an einem anderen Abgang zu betreiben ist parallel nicht möglich.
Darüber hinaus noch ein paar Überlegungen zur Planung der Verrohrung:
- Schlauch möglichst vermeiden bzw. kurz halten
- Abzweige im Winkel zwischen 30 und 45 Grad ausführen und immer in Strömungsrichtung
- Reduzierungen möglichst lang ausführen, gerade wenn z.B. von d160 auf d100 adaptiert wird
- Kurven bzw. Winkel im möchlichst großen Radius ausführen
Absaugschläuche
Auf dem Weg gab’s dann auch noch ein paar zusätzliche Absaugschläuche. So unverpackt wie auf dem Foto wurden sie per GLS angeliefert, was mich zunächst etwas stutzig machte. Im nachhinein ist das jedoch die beste Werbung für die gebotene Qualität, wenn ihnen selbst der Lieferdienst nichts anhaben kann.
Gekauft haben wir PUR E06 MB, ein ableitfähiger und strömungsoptimierter mittelschwerer Schlauch.

Schlauchanschluss
Wie oben beschrieben sind die Schläuche ableitfähig. Je nachdem was man absaugt tut man sich gut daran für eine ordentliche Erdung zu sorgen (hier im Bild noch nicht erfolgt).
Mit dem Schlauchanschlussstück lässt sich eine schnell abnehmbarer Verbindung herstellen. Für den Spiralschlauch selbst gibt es passende Spezial-Schlauchschellen, welche über die Stahleinlage spannen. Kostene etwas mehr, halten aber deutlich besser und dichten gut ab.
Ärger im Maschinenraum
Im Moment haben wir ein paar Dichtigkeitsprobleme bei der Reinluftabsaugung. Scheinbar funktioniert der Bypass für die Spänesack-Ansaugung nicht richtig und diese werden bis nach oben gegen den Filter angesaugt. Fabian musste sich das mal aus der Nähe anschauen und wurde gleich gut eingeschneit.

Steuerung / Anlaufautomatik
Wenn man sich schon den Aufwand einer festen Verrohrung macht dann will man auch eine automatische Steuerung von Absaugung und Schiebern. Aktuell bauen wir an einer kleinen SPS / Siemens Logo Steuerung, die das für uns übernimmt.
Man kann solche Lösungen auch super fertig kaufen, aber wo bleibt der Spaß am basteln?! Außerdem – die Logo hat ein Web-Interface… das haben wir bereits für den Kompressor getestet.



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