Werkzeug: Korradi UW1 Fräsmaschine

In einer der letzten nächtlichen „eBay Streifzüge“  vor einigen Tagen ist mir eine hübsche Universalfräsmaschine von Korradi über den Weg gelaufen. Wie es der Zufall so wollte stand die Maschine keine 30 Minuten entfernt bei einem (mir bis dahin unbekannten) Händler für Werkzeugmaschinen…

Nach kurzer Verhandlung ist man sich einig geworden und wenige Tage später hat Fabian die Maschine freundlicherweise abgeholt.

Für den Umbau der Portalfräse auf Kugelumlaufspindeln ist die neue Maschine jedenfalls sehr hilfreich. Jetzt müssen wir nur noch die Drehbank wieder montieren und es kann los gehen.

Technische Daten

Abbildung: Korradi UW2, Nachfolgemodell

Hersteller Fr. Korradi-K.G. Werkzeugmaschinenbau Kempten / Allgäu
Baujahr 1969
Verfahrweg X: 400mm Y: 260mm Z: 360mm
Aufspannfläche 785 mm x 200 mm
Gewicht ca. 1.000 Kg
Sonstiges Kühlmittelpumpe; Schwenktisch; Maschinenleuchte
Spindelantrieb 1.5KW
Spindel Horizontal und Vertikal
Doppelreihiges Zylinderrollenlager (Einstellbar)
Hauptgetriebe 16 Drehzahlen
Horizontal 55-2480 U/min
Vertikal 38-1740 U/min
Werkzeugspannung ISA40 / SK40 mit Einzugsstange
Pinolenhub 75mm
Vorschub X/Y/Z mit 18 Geschwindigkeiten
8-340mm/min
Y/Z mit Eilgang
Eilgang   1.000mm/min
Gesamtanschlusswert 4.5KW
Spindelantrieb 1.5KW
Motor Vorschub 0.37 + 0.75 KW
Motor Eilgang 1.1 KW

Die Maschine spielt in der Liga von Deckel FP2 und Konsorten, jedoch bei einem geringerem Preis (Bzw. Gebrauchtpreis!). Trotz ihrer 48 Jahre steht die Maschine noch im ungeschönten Originallack da, weist so gut wie keinerlei Rundlauffehler auf (gemessen 0,002mm im Konus) und alle Funktionen scheinen in Ordnung zu sein.

Vorteile der UW1:

  • Automatische Vorschübe auf allen Achsen
  • Recht kompakt für ihre Leistung
  • SK40 Aufnahme – gibt es wie Sand am Meer und der Preis ist entsprechend günstig

Vorbereitung

Bei der Maschine gibt es eine Besonderheit: Ist der Tisch in Z Richtung komplett nach unten gefahren, ragt die Spindel ca. 120mm unterhalb der Maschine heraus. Entweder braucht man also ein Loch im Fundament oder einen Rahmen.

Aus 60x42x6mm U-Profilen sowie ein bisschen Flachmaterial entsteht in Kürze ein Rahmen mit verstellbaren Maschinenfüßen. Somit kann die Maschine auch mit dem Palettenhubwagen in der Werkstatt bewegt werden. Bei unseren etwas beschränkten Platzverhältnissen sehr wichtig.

Der Transport

Wieder einmal hat uns Martin mit seinem Traktor geholfen und die Maschine abgeladen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank! Ebenfalls geht Dank an Tom, der freundlicherweise seinen Transporter geliehen hat.

Im Vergleich zur Drehbank war die Maschine mit knappen 1.000 Kg zwar deutlich leichter, diesmal gab es jedoch ein ganz anderes Problem. Trotz geschwenkter Spindel passte die Maschine nur knapp durch die Türöffnung des Ducato. Glück gehabt!

Die Zukunft

Zunächst einmal ist die Maschine trotz ihres Alters super in Schuss. Folgende Punkte sind also mehr Verbesserungen und keine notwendigen Reparaturen…

  • Anbringen von Faltenbälgen zum Schutz der Führungen und Antriebsspindeln der Z Achse. Hier könnten eventuell sogar die Teile der Deckel FP2 passen
  • Einbau von Maßstäben und einem DRO auf allen Achsen. Eventuell reicht ein Magnetmesssystem, welches verglichen mit Glasmaßstäben deutlich günstiger ist
  • Kurbel für den Pinolenhub nachrüsten – dadurch kann man die Maschine auch zum Bohren benutzen. Diese war leider nicht mehr dabei
  • Späne und KSS Wanne aus Edelstahl herstellen
  • Anbringen von 2 Not Aus Schaltern

Und zu guter Letzt… irgendwann eventuell Umbau auf CNC. Dann jedoch so, dass die manuelle Funktion (inkl. Maschinenvorschüben) weiterhin uneingeschränkt möglich ist. Gute Beispiele ähnlicher Umbauten gibt es im Netz bereits von anderen Hobby-Maschinenbauern zu bestaunen.

Was muss man beim Kauf von gebrauchten Werkzeugmaschinen beachten?

Hier ein paar Gedanken zum Thema Gebrauchtkauf von Werkzeugmaschinen. Natürlich ist die Liste nicht komplett, aber sie gibt einige Hinweise (leider auch aus eigener schlechter Erfahrung).

  • Führungen / Gleitbahnen
    Die spätere Bearbeitungsgenauigkeit hängt maßgeblich vom Zustand der Gleitbahnen ab. Diese sind gefräst, geschliffen und dann geschabt.

    • Auf Beschädigungen prüfen (Täler, Riefen, etc.)
    • Auf ausreichende Schmierung prüfen
    • Abstreifer überprüfen (Vorhanden, Zustand)
  • Grundkörper
    • Gibt es Korrosionsspuren?
  • Antriebsspindeln
    Egal ob CNC, NC, mit automatischem Vorschub oder manuell – für die Bewegungen der Achsen besitzen alle Fräsmaschinen eine Spindel.

    • Umkehrspiel testen
    • Zustand der Spindel
    • Zustand der Spindelmutter
  • Getriebe
    • Schaltet das Getriebe sauber in allen Gängen?
    • Macht das Getriebe ungewöhnliche Geräusche?
    • Getriebeöl sauber sowie frei von Verunreinigungen und Wasser
  • Frässpindel
    • Messung des Rundlauffehlers im Konus mit einem Fühlhebelmessgerät (0,002mm sind wünschenswert)
    • Zustand des Konus prüfen (z.B. glatt und frei von Graten)
  • Sonstiges
    • Lack: Ist der Originallack vorhanden oder wurde der Lack schon mal erneuert / geschönt?
    • Ist das Handbuch dabei (Schema für Mechanik und Elektrik)
    • Ist alles vom Verkäufer angebotene Zubehör dabei (z.B. aus dem Foto abgebildeter Schraubstock, Werkzeugaufnahmen, Kurbeln, etc. pp.)

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